Zu welchen Hundetyp zählen Sie sich?

Es gibt unzählig verschiedne Hundetypen, die sich deutlich in Exterieur und Verhalten unterscheiden. Ihre genetischen fixierten Bewegungsmuster erfolgen aus einem inneren Antrieb, der, neben einem rassetypischen Körperbau, auch bei heutigem Haushund einer strengen Zuchtlese durch den Menschen unterliegt. Selbstverständlich zeigen nicht alle Vertreter einer Hunderasse konkrete Handlungsmuster beziehungsweise einzelne Jagdsequenzen in gleich betonter Art und Weiser. Nicht jeder Terrier ist forsch und frech und verbeißt sich direkt im Nacken der Wildsau. Nicht jeder Wachhund ist territorial und attackiert schon im ersten Anflug den Postboten oder den Schornsteinfeger.
Damit das Zusammenleben mit einem Hund nicht zum Fiasko wird, muss das Grundtemperament von Hund und Halter zusammenpassen. Verhalten ist eine Anpassung an Zeit und Raum. Deshalb ist es nicht nötig das ein Hundetrainer schweißgebadet versucht einem Border Collie das Fixieren und Anpirschen an ein Schaf beizubringen. Kein Hundetrainer muss andauernd den Vorderlauf eines Pointers anheben, damit er einer Beute vorsteht. Das Verhaltensrepertoire eines bestimmten Hundetypus in einer bestimmten Umweltsituation ist tief verankert und kann nicht von jetzt auf gleich abtrainiert werden.
Oft passt ein bestimmter Hund nicht in das vorgesehene Umfeld, respektive zu einem bestimmten Menschentypus. Stoßen z.B. hyperaktive Menschen und Hunde aufeinander, kann sich beider Erregungszustand durch extremen Adrenalinausschüttung in bestimmten Lebenssituationen etwas heftig gestalten. Die Berücksichtigung des individuellen Grundtemperaments von Mensch und Hündchen muss deswegen einer systematischen Überprüfung unterliegen, will man kein Fiasko erleben. Zwangsläufig erübrigen sich gute Ratschläge zur Hundeerziehung.
Keinem Menschen nütze ein Border Collie, der aufgrund mangelnder Auslastung die Fliegen an der Wand über seinen Instinkt starrenden Blick persönlich begrüßt. Und das vielleicht sogar täglich. Genauso wenig sind Menschen in Reihenhaussiedlungen begeistert, wenn ein Herdenschutzhund außerhalb täglicher Routine stehende Dinge aus dem „Tempel“ scheuchen will.
Zur Beurteilung einer Mensch-Hunde-Beziehung ist es notwenig eine Charakteranalyse von Mensch und Hund zu machen, um praktische Hundeerziehung wirkungsvoll umsetzen zu können, was eine echte Herausforderung bedeutet. Mag der Grundcharakter eines Menschen relativ ausgeglichen sein, neigt er im Umgang mit dem Hund doch leicht zu emotionalen Übertreibungen. Das bleibt dem Hund nicht verborgen, und wenn er dann mit einem herzweichenden Blick so guckt, wie er gucken kann, ist es verdammt schwer, sich dem emotionalen zu entziehen. Hinzu kommt der Alltagsstress: Da kommt Tante Hilde zu besuch, die Kinder verwandeln das Haus in ein reines Schlachtfeld, die Katze nimmt die Gardine als Liane, und der freche junge Dackel klaut sich wieder einmal Omas gestrickte Topflappen aus der Küche. Kurzum: Die coolen, gut gemeinten Ratschläge der gezielten
Belohnung von Unterordnung sind im Alltag oft komplett außer gefecht gesetzt. Wichtig ist es nur nicht immer als Verlierer aus der Partie zu gehen. Die Selbstreflexion ist enorm ausschlussreich. Wagen Sie den Blick in den Spiegel…..

Ihre Hundetrainerin Sabrina Franzkoch